Immer wieder sind Ausdauersportler, insbesondere Läuferinnen irritiert, wenn ihnen nach einer Routineuntersuchung mitgeteilt wird, sie hätten Eisenmangel und Blutarmut. Über mögliche Ursachen ist viel diskutiert worden: Bei Frauen sind zumindest häufig Blutverluste durch die Menstrubation die angegebenen Gründe. Wenn Symptome wie Müdigkeit und blasses Aussehen hinzukommen und dazu auch der Konzentrationswert des Serum-Ferritins (Eisen-Speichermolekül) in den Keller rutscht, ist das sicherlich ein nahezu verläßliches Anzeichen für eine Anämie.
Weil dies bei Ausdauersportlern (auch bei Männern!) gehäuft auftritt, hat sich der Begriff "Sportanämie" durchgesetzt, der laut einer Berliner Forschergruppe des Psychologischen Instituts der Freien Universität jedoch irrtümlicherweise so genannt wird. Es handelt sich in den meiste Fällen aber viel eher um eine dilutionale "Pseudoanämie" (hervorgerufen durch einen Verdünnungseffekt), die lediglich durch das bei Ausdauersportlern erhöhte Plasmablutvolumen vorgeteuscht wird. Daraus resultiert ein erniedrigter Hämatrokritwert, obwohl bei Ausdauersportlern im Allgemeinen absolut gesehen die Erythrozyten und damit meistens das Hämoglobin im Vergleich zu Untrainierten trozdem erhöht sind.
Inzwischen ist aber bekannt, dass ein derartiger Training zu einer gesteigerten Ausschüttung, der den Wasserhaushalt des Körpers über die Nieren regulierenden Hormone Aldosteron, Vasopressin und Renin führt. Diese bewirken eine Retention (Zurückhaltung) von Na+-Ionen und Wasser und somit mit eine Volumenerweiterung des Blutes. Dies hat den Sinn, der verbesserten Fließeigenschaften des Blutes, verbunden mit einer verminderten Herzarbeit. Außerdem wird so die Thermoregulation bei höhere Körperkerntemperatur durch vermehrte Herz-Kreislauf-Aktivität bei Ausdauerleistungen erleichtert.
Die durch das erhöhte Plasmavolumen vorgetäuschten niedrigen Werte sowohl des Hämoglobins, der Erythrozyten und des Hämatokritwertes können gerade für einen ausgezeichneten Trainingszustand sprechen. Dieser Anpassungseffekt kann z.b.auch bei längerem Aufenthalt in höheren Gebiergsregionen bei deutlich geringeren Trainingsbelastungen auftreten, da hier die Organbelastung durch die deutlich dünnere Luft grundsätzlich um einiges höher ist, als in flachen Regionen.
Wann liegt eine Blutarmut vor?
Ein geeigneter Indikator für eine echte Anämie, verursacht durch Eisenmangel bietet lediglich die Bestimmung der löslichen Transferrinrezeptoren (TzR). Ein transmembranes Glycoprotein, das die Aufnahme von Transferrin-Eisen in die Körperzellen kontrolliert. Um die Diagnose Blutarmut zu stellen bedarf es also differenzierter Verfahren, als sie bei einer reinen Routineuntersuchung zur Anwendung kommen.
Gründe für eine Hämolyse als Verursacher einer Anämie
Bei Anwesenheit von Haptoglobin heftet sich das Plasmaprotein an das aus den Erythrozyten freigewordene Hämoglobin, verhindert dessen Eliminierung und schont die Eisendepots des Körpers. Deshalb ist eine Reduzierung des Haptoglobins ein zuverlässiger Marker für eine gesteigerte Hämolyse.
Da dieses Phänomän, das als Hämolyse bekannt ist und gerade bei Ausdauersportlern auftreten kann, soll uns hier nur der belastungsinduzierte verfrühte Zerfall der Erythrozyten beschäftigen, der in den meisten Fällen für eine Hämolyse verantwortlich ist.
Hierbei geht man davon aus, dass der Zerfall der Erythrozyten abhängig von der mechanischen Belastung ist, der diese Blutkörperchen ausgesetzt sind. Bereits im Jahre 1881 Verwies Fleischer in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen bei Soldaten und später auch bei Langstreckenläufern auf das Problem der Hämolyse (Berliner Klinische Wochenschrift,18, 1881). Man ging davon aus ,dass die Auftreffkraft der Füße diese mechanische Belastung hervorrufen würde. Doch stellte man auch bei anderen Ausddauersportarten die selben Probleme schnell fest, wie dies z.B bei Schwimmmern der Fall war. Einen plausibelen Erklärungsansatz hierfür neben der äußeren Belastung ergaben sich in der höhere Strömungsgeschwindigkeit des Blutes, die ebenso belastend auf die Erythrozyten einwirkte wie, die erhöte Körperkertemperatur und die Azidität (Übersäuerung) des Blutes.
Machen sich nun diese Effekte in Form einer Haptoglobinreduzierung bemerkbar, sollte man zusätzlich Eisenpräparate einnehmen und auf den übermässigen Genuß von Kaffee und Tee verzichten, da sie die Eisenresorption behindern und einen aufschwemenden Effekt verursachen.
FAZIT:
Es besteht also nicht zwingend eine reale Anämie des subnormalen Blutbides, wenn eine Anämie bei Ausdauersportlern diagnostiziert wurde. So gilt es ersteinmal Ruhe zu bewahren, und überlegte Analyseverfahren einzusetzen. Wer allerdings Vorsorge treffen möchte und versucht mit Eisenzugabe dem Krankenbild entgegen zu wirken, sollte immer im Kopf behalten: "So viel wie nötig, so wenig wie möglich!", da auch Eisen toxisch wirken kann.
Fachbegriffe
Anämie (Blutarmut)
Eine Anämie ist meistens ein Mangel an rotem Blutfarbstoff (Hämoglobin), der häufig zu einer verminderten Zahl der roten Blutkörperchen führt. Dadurch kann mit dem Blut weniger Sauerstoff von der Lunge zu den übrigen Organen transportiert werden. Ursachen einer Anämie können sein: Blutverluste (z.B. Menstruationsblutungen), verringerte Blutbildung, gesteigerter Abbau der roten Blutkörperchen, Mangel an verschiedenen Vitaminen (Folsäure, Vitamin B12) sowie Mangel an Eisen. Auch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes oder erhöhter Nährstoff-Bedarf durch Krankheit oder Schwangerschaft können zur Anämie führen. Bei Männern sind Anämien wesentlich seltener als bei Frauen.
Eisen
Spurenelement, das bei der Bildung des roten Blutfarbstoffes (Hämoglobin)eine wesentliche Rolle spielt
Hämoglobin
Roter Blutfarbstoff in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Wichtiger Bestandteil ist das Eisen (Hämeisen). Das Hämoglobin ist für den Transport von Sauerstoff wichtig. Ein zu niedriger Gehalt an Hämoglobin führt zu Anämie. Das aus 150 Aminosäreketten bestehende Protein besitzt eine sehr hohe Sauerstoffbindungsaktivität. Es bindet 98,5% des Sauerstoffs im Blut, so dass nur 1,5% in gelöster Form vorliegen.
Haptoglobin
Ein im Blut zirkulierendes Plasmaprotein, das mit Hämoglobin zusammen einen Komplex eingeht und zur Regeneration der Eisenspeicher beiträgt, da sich aus dem Zerfall der Erythrozyten (Lebensdauer ca.120 Tage) frei werdendes Hämoglobin auflöst und damit seine lebenswichtige Funktion verlieren würde (s.a. Hämolyse).
Hämolyse
Auflösen von Erythrozyten mit freisetzen des roten Blutfarbstoffs, was zu einer Hämoglobinurinie - Ausscheidung von rotem Blutfarbstoff im Harn - und zu extremen Eisenverlusten führen kann.
Hämatokrit
Anteil der zelulären Bestandteile (rote und weiße Blutkörperchen) im Blut. Der Referenzbereich liegt bei gesunden Erwachsenen zwischen 40 und 52% (Männern) bzw. zwischen 37 und 47% (Frauen). Ein natürliches Hormon, das die Produktion von Erythrozyten stimuliert und damit den Hämatokrit anhebt, ist das Erythopoetin (EPO). Seit dem dieses Hormon synthetisch hergestellt werden kann, hat es sich zu einer Modedroge im Doping entwickelt. Die leistungssteigernde Wirkung ist allerdings umstritten.
Aus: Running & Walking. Oktober/ November 6/99, S.8-14